Erstes Kapitel – Die Anreise ✈️
Es ist der 17. August 2026. Heute verändert sich mein Leben komplett. Ein Jahr in Argentinien liegt vor mir, aber ich weiß noch nicht, wo und mit wem ich wohnen werde. Auch meine Arbeitsstelle habe ich bisher nur auf Fotos und in Videos gesehen.
Bisher wirkt alles noch so weit weg, doch heute ist der Tag gekommen, an dem ich mein Zuhause für zwölf Monate verlasse und mit 18 Jahren, einem vollgepackten Koffer und einer Mischung aus Sorgen und Vorfreude ins Flugzeug steige.
Von Washington, D. C., wo ich zuvor mit meiner Familie den Urlaub verbringe, fliege ich nach Atlanta und von dort aus weiter nach Buenos Aires. So ist es zumindest geplant. Aufgrund von Gewittern verpasse ich jedoch meinen Anschlussflug und stehe erst einmal ohne Koffer und ohne Hotel in Atlanta. Das nächste Flugzeug fliegt erst in 24 Stunden, und zum Glück bin ich nicht die Einzige, die nach Buenos Aires möchte. Meine Sitznachbarin und ich entscheiden uns daraufhin, ein Hotelzimmer zu teilen und den nächsten Tag in Atlanta zu verbringen.
Beim zweiten Versuch klappt die Anreise und ich komme endlich in Buenos Aires an.
Eine gute Sache hat das Ganze: Wenigstens habe ich jetzt eine argentinische Freundin gefunden.
Zweites Kapitel – Buenos Aires 🇦🇷
Nun verbringe ich eine Woche mit den anderen deutschen Freiwilligen in einer sehr schönen Herberge. Dort besuchen wir Sprachkurse, sammeln Informationen über Südamerika und reflektieren unsere Rolle als Freiwillige.
Die Woche verläuft spannend und ich erfahre, wer ein Jahr lang mit mir zusammenwohnen wird. Auch meine Adresse wird zum ersten Mal bekannt gegeben.
Anfangs fühlt sich das Freiwillige Soziale Jahr ein bisschen wie eine Überraschungsbox an, aber zum Glück stellt sich rückblickend alles als sehr positiv heraus.
Nach dieser Woche lernen wir unseren neuen Wohnort kennen und verbringen knapp eine Woche in San Miguel, bevor es mit der Arbeit losgeht.
Drittes Kapitel – Die Einsatzstelle 🌞
Unsere Arbeitsstelle befindet sich an einem Ort, der ungefähr eine halbe Stunde mit dem Zug und eine weitere halbe Stunde mit dem Bus von unserem Zuhause entfernt ist.
Das Jugendzentrum SERPAJ ist eine Ausbildungsstätte für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren. Es gibt verschiedene „Talleres“ (Werkstätten), darunter eine Keramik-, Holz- und Glaswerkstatt, einen Informatikraum, eine Imkerei, eine Elektronikwerkstatt, eine Bibliothek, eine Bäckerei und einen Bereich für Agrarwirtschaft.
Die Idee dahinter ist es, den Jugendlichen bereits während ihrer Schulzeit eine Ausbildung mit Zertifikat zu ermöglichen, um ihre Berufschancen zu verbessern.
Hier arbeite ich mit einer anderen deutschen Freiwilligen. Unsere Aufgaben bestehen darin, beim Spülen zu helfen, die Lebensmitteltüten zusammenzustellen und das Kaffeetrinken vorzubereiten. Außerdem spielen wir in den Pausen Gesellschaftsspiele mit den Kindern, unterhalten uns mit ihnen und begleiten die Werkstätten.
Zum Beispiel füllen wir Honig von den Bienen in Gläser um, sortieren die Bücher der Bibliothek und machen beim Keramik-Taller mit.

Freitags und samstags arbeiten wir an einem anderen Ort, an dem Kinder aller Altersgruppen zusammenkommen, spielen und Mate trinken. Das Projekt wird durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht und durch Spenden finanziert.
Ich persönlich habe großen Respekt vor den Menschen, die dieses Projekt ermöglichen. Sie nehmen sich in ihrer Freizeit Zeit, um einen Ort zu schaffen, an dem Kinder und Jugendliche zusammenkommen und gemeinsam etwas unternehmen können.

Eine dieser Unternehmungen ist beispielsweise die Caminata a Luján, eine christliche Wallfahrt zu einer bekannten Kirche. Dabei laufen wir über 20 Kilometer lang über Nacht zu Fuß, um morgens an der Basílica de Luján anzukommen.
Es ist auf jeden Fall eine schöne Erfahrung, auch wenn der Weg anstrengend ist. Es macht Spaß, gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen zu laufen.


Viertes Kapitel – Fazit zu den ersten zwei Monaten
Ein Ort, der vorher noch so fremd wirkt, fühlt sich auf einmal wie ein Zuhause an. Es ist so schön, hier zu sein, und ich bin dankbar für jede Erfahrung, die ich hier sammeln darf.
Am Anfang ist die Umstellung schwer, denn ich komme vom Sommer in den Winter, die Uhr wird um fünf Stunden zurückgestellt und die Kultur hier ist natürlich auch eine ganz andere. Obendrein kommt noch das Heimweh dazu. Dementsprechend ist es nicht so leicht wie erwartet.
Aber jetzt, nach zwei Monaten, kann ich sagen, dass sich das Anpassen und Einleben gelohnt hat. Ich fühle mich am richtigen Ort und bin froh, dass ich meiner Einsatzstelle ein bisschen Arbeit abnehmen kann, denn meiner Meinung nach setzen sich die Menschen dort für einen sehr guten Zweck ein. Das macht die Arbeit trotz aller Anstrengung viel leichter und angenehmer.
Auch mit den Menschen zu reden und zu versuchen, ihre Perspektive zu verstehen, ist total schön. Die argentinische Lebensweise ist etwas ganz Besonderes, und es ist ein großes Privileg, sie kennenlernen zu dürfen.
Ich bin selbst sehr gespannt, was in diesem Jahr noch auf mich zukommt, und freue mich darauf, ein bisschen davon in diesem Blog mit euch zu teilen.
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, bis hierhin zu lesen. Ich hoffe, dass ich euch einen guten Einblick in mein Freiwilliges Soziales Jahr geben konnte.
Ich freue mich sehr darauf, von euch zu hören!
One Responses
Oh wie schön diese Zeilen von dir zu lesen, liebe Elli und Danke, dass wir damit ein Teil deines Weges, so weit weg von Zuhause nachfühlen zu dürfen.
Dieses Tagebuch wird dich den Rest deines Lebens begleiten und du wirst es gerne lesen, selbst wenn du mit 80 verschrumpelt in deinem Schaukelstuhl sitzt und darin lesen wirst.
Die Elena, die in einem halben Jahr diese Zeilen liest, wird schon eine andere sein als heute.
Daher genieße das Leben, sauge alle Eindrücke und Erfahrungen auf, aber passe auch gut auf dich auf! Wir sind in Gedanken bei dir! ❤️🫶🏻🥰